Eine Tageszeitung für 50€ - Ein neuer Ruf aus Dresden

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Können sie sich das vorstellen, 50€ für eine Tageszeitung vom Vortag auszugeben? Ein Traum für jeden Verleger, oder? Besonders in einer Zeit, in der die Auflagenzahlen immer weiter sinken. Unmöglich? Es gab einmal eine Zeit, noch gar nicht so lange her, da ist genau das passiert. Mit anderer Währung vielleicht, aber von den Rahmenbedingungen her fast genau wie heute.



Es war 1989, also vor knapp 30 Jahren, die Unzufriedenheit im Land stieg immer mehr. Unzählige Menschen verließen das Land. Jeder kannte einen, der nicht mehr da war, oder den Antrag bereits gestellt hatte. Die Unzufriedenheit mit den Zuständen im Land wurde immer größer. Man durfte einen Teil der Welt nicht bereisen, weil dort der Böse saß. Auf der anderen Seite war der große Bruder und bestimmte viele Bereiche des Lebens. Von klein auf wurden Kinder erzogen, die Sprache dieses Bruders zu lernen und in seiner Welt zu denken. Viele Begriffe und Lieder aus dieser Kultur zogen in unseren Sprachraum ein. Es gab viele Soldaten des Bruders in unserem Land. Sie waren offiziell unsere Freunde. Doch immer mehr Menschen wollten sich selber eine Meinung bilden. Es gab so viel in der Welt zu sehen und das Gespür, daß vielleicht nicht immer alles so ist, wie von Politik und Medien dargestellt. Die Schere wurde immer größer. Jeder konnte es spüren, daß das, was in der Zeitung stand, nichts mehr mit den Erfahrungen im Alltag zu tun hatte. Jeder wußte zwischen den Zeilen zu lesen. Doch die Maschine lief weiter.

Bis der letzte Tropfen in das Faß gefallen war. Die letzten Wahlen waren so offensichtlich falsch, daß immer mehr Menschen unzufrieden waren. Einige nutzen den Sommer, um über Ungarn das Land zu verlassen. Manche versammelten sich in der Botschaft in Prag, um der Welt zu zeigen, daß sie aus diesem Land rauswollen. Als ihre Ausreise genehmigt wurde, wollte die alte Macht noch einmal ihre Kraft beweisen und ließ die Züge durch Dresden fahren. Ein Impuls, den viele für Demonstrationen nutzten. Hier und in anderen Städten trugen die Menschen ihre Unzufriedenheit auf die Straße. Doch die Zeitungen hielten an der alten Meinung fest. Sie logen, polarisierten und hetzten gegen die einheimische Bevölkerung, die begann aufzuwachen.

Bis eines Tages eine Dresdner Zeitung begann, sich zu lösen. Es war DIE UNION, die sich offiziell von der Parteilinie lossagte, und begann, kritische Artikel zu schreiben. Plötzlich lasen die Menschen wieder die Zeitung. Ein Schimmer von Freiheit und Wahrheit leuchtete auf. Immer neue Skandale wurden aufgedeckt. Die unglaubliche Verlogenheit des Systems wurde immer offenbarer. Und erstmals konnte man darüber auch etwas in der Zeitung lesen.

Es war zu dieser Zeit, als DIE UNION im ganzen Land die einzige wahrhaftige Zeitung war, als man in Rostock, das ca. 400km entfernt liegt, bereit war, 50 DDR Mark für eine Ausgabe vom Vortag oder mit Glück sogar noch vom selben Tag zu bezahlen...

Den Rest der Geschichte kennen alle. Die Freiheit kam und mit ihr das Reisen. Die Zeitungen waren um Wahrheit und Aufklärung bemüht. Aber nicht mehr lange. Bald zog der neue Bruder ein und mit ihm eine neue Sprache und neue Scheuklappen in den Redaktionen. Der Bruder wurde gewechselt, die Parolen wurden wieder platter und die Politik hat sich vom Volk getrennt, die freien Tageszeitungen sind wieder eingeschlafen und folgen einer seltsam gleichtönigen Doktrin. Jeder kann überall hinreisen, er braucht nicht mehr auszureisen. Und doch stimmt die Welt nicht mehr. Jeder auf der Straße sieht es, aber in der Zeitung steht etwas anderes. Was ist hier eigentlich los?

Und ihr, liebe Dresden Journalisten, wo seid? Wo sind die, die damals voller Ideale aufgebrochen sind, wo seid Ihr hin? Ich kann es nicht glauben, daß Ihr wirklich noch jeden Tag reinen Gewissens Zeitung machen könnt. Für mich und für viele andere stinkt die Fassade der Stadt und des Landes aus allen Poren. Es gäbe so viele lohnenswerte Themen. Warum schreibt niemand darüber??? Wann steht Ihr endlich wieder auf und fangt an, wahrhaftig zu schreiben? Vielleicht kauft dann jemand Eure Zeitungen auch mal für 50€? Wär das nicht toll?

Ein Dresdner Bürger

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Kommentare 1

Gäste - Gerlinde am Mittwoch, 17. Juli 2019 13:50

Prima Artikel!
Gute Frage gestellt - Wo sind die mutigen Journalisten in Dresden?

Prima Artikel! Gute Frage gestellt - Wo sind die mutigen Journalisten in Dresden?
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